2 Jahre rauchfrei

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Man sagt, Ex-Raucher sind die schlimmsten Nichtraucher und ich habe immer gedacht, ich werde nie so. Weil ich es ja verstehe, wie es ist, Raucher zu sein. Wie man zwischendurch einfach diese Pause braucht, die Kippe. Wie schlimm es ist, nicht mehr genug Zigaretten zu haben oder kein Feuerzeug. Oder Leute, die auf Partys immer Feuerzeuge klauen ;) , ständig vor die Tür gehen zu müssen und wie scheiße es ist, immer mehr dafür verurteilt zu werden, dass man so ein schwacher Suchti ist.

Heute bin ich genau zwei Jahre komplett rauchfrei, nach 12 Jahren als Raucher: Ich habe immer „gerne geraucht“ und ich habe viel geraucht. Immer locker ne Schachtel am Tag, Marlboro Lights. Am liebsten im Auto, nach dem Essen, wenn es stressig war, wenn mir langweilig war, wenn ich auf irgendwas warten musste, wenn ich Hunger hatte, am allerliebsten auf Partys und Konzerten, mit nem Bier dazu, aber auch schon morgens früh zum Kaffee und auch zuhause am Computer.

Heute ertappe ich mich dabei, wie ich oft über Raucher urteile, fast schon Mitleid habe. Wie sie kaum eine Stunde ohne Kippe aushalten, in Meetings oder auf Flügen unleidlich werden, dass man auf ihre Zigarettenpause Rücksicht nehmen und auf sie warten muss und wie sie ständig husten.

Am liebsten möchte ich sie vom Nichtraucher-Dasein sofort überzeugen – vor allem die Menschen, die ich mag, weil ich Sorge um sie habe, dass ich sie in zwanzig Jahren am Krankenbett besuchen muss. Aber ich halte die Klappe, weil es nichts bringt. Weil sie sagen, sie „rauchen gerne“ oder dass ihnen die Disziplin fehlt, man bequem ist und sie Angst haben, es sowieso nicht zu schaffen, oder sie haben Angst fett zu werden. Die Gründe kenne ich ja alle selbst zu Genüge. Es bringt nichts, man will das gar nicht hören und geht sofort in Abwehrhaltung. Und wer bin ich, darüber zu urteilen, wo ich doch selbst so lange geraucht habe?

Am Ende muss das halt jeder selbst entscheiden, aber ich finde es schon krass, wie sehr ich meine Meinung dazu geändert habe. Und nicht, dass es falsch verstanden wird: Ich kann immer noch mit meinen Freunden zusammen Stunden in Rauchwolken sitzen, ohne dass ich sie alle mitleidig anschaue, mir plakativ ständig frische Luft zufächeln muss oder selbst sofort los rauchen will. Aber ich glaube, ich habe verstanden, dass es eben eigentlich wenig mit Genuss zu tun hat, sondern man eben nur die Sucht befriedigt und es einem deshalb für einen Moment „gut“ geht. Man verarscht sich die ganze Zeit selbst. Aber niemand mag Besserwisser :P

Und die ganze Kohle nicht zu vergessen! Mir fiel das Aufhören auch erstaunlich leicht, vielleicht, weil ich schon lange darüber nachdachte und es mich immer mehr störte, so abhängig von etwas zu sein, und dass ständig Haare, Klamotten, das Auto und die Bude stinken. Ich fühle mich heute tatsächlich extrem befreit.

Und jetzt klinge ich wie ein Sekten-Aussteiger. Deshalb sind Ex-Raucher die schlimmsten Nichtraucher.

„The saddest thing that I’d ever seen
Were smokers outside the hospital doors“

– Editors

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3 Kommentare

  1. … und ich bin da sehr stolz auf dich, dass du es doch geschafft hast! Auch wenn es mit „Mit 30 hör ich auf.“ nicht ganz geklappt hat! ;) Besser spät als nie! :D

  2. Glückwunsch, ich selbst bin im Dezember (hoffentlich) 2 Jahre rauchfrei. Weiß genau was du meinst, zumal Frau Spanksen selber noch raucht und ich ihr am liebsten jedesmal die Kippe aus den Fingern ziehen würde, aber Sie ist ja nun mal erwachsen und so….schwieriges Thema. Habe jetzt aber erfolgreich meine Tochter auf sie hetzen können ;-)

Und? Sag was!

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