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B-Movie: Die Musikszene der 80er in West-Berlin

Die Musikszene der 80er in West-BerlinSowohl Berlin als auch die 80er üben auf mich ja eine sehr große Faszination aus. Das liegt zum einen sicher daran, dass meine Kindheit in den 80ern stattfand und hier einiges an Nostalgie mitschwingt. Man erinnert sich an banale Dinge: wie Polizeiuniformen aussahen oder ein senfgelber Opel Kadett, an schräge Jugendkulturen wie Grufties und Punks, die durch Bands wie The Cure oder Die Ärzte später auch kommerziell und Mainstream wurden.

Und um die Geschichte und politische Situation Berlins mit seiner Teilung zu verstehen, war ich natürlich noch zu klein. Ich war auch eigentlich noch zu klein für die Jugendsendung Moskito, die ich aber trotzdem schon sehr gespannt mitbekam und in der es hauptsächlich um Aufklärung ging. Dazwischen gab es auch noch Ernst Eiswürfel und auch Die Ärzte lieferten für Moskito ihre Gabi-Songs. Und hier schließt sich fast der Kreis, denn Moskito kam nämlich aus Berlin vom SFB. Wie cool Berlin sein musste!

Erst später erfuhr ich, dass das Berlin Ende der 70er und in den 80ern Anziehungspunkt für viele Künstler war, wie beispielsweise Bowie und Iggy Pop. Und genau darum geht es in diesem Film, der eigentlich eine Doku ist, über die Künstlerszene im chaotischen West-Berlin der 80er Jahre.

Zu Beginn heißt es noch, alle Charaktere seien fiktiv, aber in diesem Film erzählt Mark Reeder von seiner Zeit in Berlin, wie er aus Manchester nach West-Berlin kam, angezogen von den verschiedenen Subkulturen und der Musik: Von den Punks, der Hausbesetzer-Szene und begleitet von den politischen Umständen zeigt es Originalaufnahmen von Künstlern wie Keith Haring, Tilda Swinton, Blixa Bargeld, Nena, Nick Cave, Joy Division, Die Toten Hosen, Die Ärzte, Christiane F., WestBam oder New Order. Dabei geht es vom Punk bis zur ersten Love Parade. Dazu ist das Ganze wirklich unterhaltsam und spannend umgesetzt. Und auch den Soundtrack werde ich mir mal näher anschauen – überraschenderweise fand ich WestBams  You Need The Drugs sehr stark.

B-Movie ist aktuell noch für kurze Zeit hier in der Arte Mediathek zu finden und lässt sich danach sicher auch noch woanders finden. Klare Empfehlung von mir für alle, die sich für die Musikszene der 80er interessieren, speziell die Kultur West-Berlins oder überhaupt für Musikfans oder Nostalgiker. Es lohnt sich schon allein für den Anblick des jungen Nick Caves. Und Farin!

Trivia: Der Künstler Thierry Noir findet ebenfalls Erwähnung im Film, hat er sich doch auch an der Mauer verewigt. Seine Figuren gibt es unter anderem auf den berühmten „U2-Trabis“, die durch das Achtung Baby-Album (u.a. auch der Berlin-Version von One) sicherlich sehr bekannt wurden und weshalb ich mir bei meiner letzten Berlin-Reise im Dezember diese Touri-Tasse gekauft habe, aus der ich zufällig gerade Tee trank. So much wow.

Thierry Noir

B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979-1989 (2015): IMDBWikipedia / Website

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3 comments so far.

3 Antworten zu “B-Movie: Die Musikszene der 80er in West-Berlin”

  1. AndiBerlin sagt:

    Die 80’er waren in West Berlin schon eine verrückte Zeit. Dort gab es, anders als im Rest Deutschlands, keine Sperrstunde („Kreuzberger Nächte sind lang“). Deshalb war West Berlin für viele so anziehend.
    Mich fragte mal ein junger Kollege, wie es so war, im Westteil Berlins zu der Zeit. Ich sagte ihm, das er sich mal den Song „Berlin“ von der Band „ideal“ anhören soll. Dieses Lied sagt alles über diese Zeit aus, und gibt die Stimmung exakt wieder.
    Ich bedauere es nicht fünf Jahre eher geboren worden zu sein, dann hätte ich viel mehr aus dieser Zeit mitgenommen. So waren es nur meine Teenager Jahre.

  2. Verena sagt:

    @AndiBerlin: Das mit der Sperrstunde (und der Bezug zu dem Lied) war mir auch neu. Interessant! Das Lied „Berlin“ von Ideal kommt tatsächlich auch im Film vor.

    Ich glaube, ich finde es auch so faszinierend, weil ja total viele Kinderserien von früher in West-Berlin spielen, weshalb es einen (mich) deshalb vielleicht so prägt. Peter Lustigs Löwenzahn spielt ja auch in „Bärstadt“ ;) oder so alte Sachen wie Rappelkiste oder Hals über Kopf. Und auch viele Serien aus dem Vorabendprogramm (Praxis Bülowbogen, Ich heirate eine Familie, Liebling Kreuzberg, …) damit ist man ja aufgewachsen, ob man wollte oder nicht, weil es nur 3 Programme gab :D Dass West-Berlin eine Insel ist, habe ich ja erst später verstanden (und war dann sehr erstaunt wie das alles geht).

    Diese Problematik von „Nicht im Hinterhof spielen“ zum Beispiel war für mich als Kind nie so nachvollziehbar, aber im Grunde ist es – so glaube ich – eine ziemlich Berlin-spezifische Geschichte. Vielleicht sogar auch gewisse Mentalität der Charaktere.

    Ich würde also ganz kühn behaupten, da gab es einen großen Unterschied zu Serien, die z.B. aus München oder Hamburg kamen. Alles nicht so schick, sondern bodenständig, meistens Familien aus der Mittelschicht/Arbeiterschicht, mit anderen Problemen, bisschen alternativer. Aber vielleicht ist das nur mein Empfinden.

    Naja, und die Musik war dann mehr parallel und hab ich erst später richtig entdeckt.

  3. […] die einem Film-Empfehlungen aus allen möglichen Mediatheken gibt. Daraufhin schaue ich B-Movie über die Musikszene West-Berlins und bin begeistert. Freitag folgt dann noch Oh Boy mit Tom Schilling und ich hab noch ein paar […]

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