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Mittwoch / Donnerstag, den 27. / 28. April 2011 – Julia

Ich bin nach Hamburg zur Botschaft gefahren. Visum beantragen und bereits am nächsten Tag abholen. Das benötigte Dokument kam auch nach 2,5-stündigem Warten in einem Hamburger Internetcafe nicht an. Abends sah ich, dass man mir eine halbe Stunde vor Botschaftsschließung geschrieben hatte, dass man noch einige Detailfragen hätte. Soviel zur deutschen Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Da war auf die überaus undurchsichtigen, Anfang der 90er Jahre reich gewordenen montenigrisch-serbischen Bauriesen, die mir eine Einladung nach Moskau beschafft haben, mehr Verlass. Dort geht es getreu dem Motto „alles cool, der hat doch gesagt er macht das“, und es läuft. In Deutschland undenkbar, alles muss kontrollierbar sein, kein Vertrauen. Offensichtlich auch nicht in meine Beschwichtigungen über die Ungefährlichkeit und den reinen Abheftzweck des beizubringenden Blatt Papiers.

Die Botschaft hatte noch eine Stunde geöffnet und ich sah mich schon wieder zurückfahren, als ich  spontan entschied es ohne das verfluchte Dokument zu probieren. Mit Erfolg. An einem laut Angaben anderer Anwesender sonst nie geöffneten Schalter gab ich meine Sachen ab und handelte sogar noch einen Tag weniger für die Express-Bearbeitungszeit aus. Unverschämtes Glück hatte ich, denn ein am nächsten Tag beantragender Deutscher in der Reihe vor mir bekam sein Visum nicht ohne das Dokument und der Schalter vom Vortag hatte auch wieder zu.

Von Gefühlen der Erleichterung und des Glücks angeschoben schaffte ich an den gleichen Tagen noch alle Erledigungen und Besuche, die vor Abflug zu machen waren. Alles ging so schnell kurz vor der nächsten Etappe meines Lebens. Ich nahm mir zwar ab und an die Zeit um aus der Entfernung auf mein Tun zu blicken und mir Zukünftiges vorzustellen. Gelingen wollte es mir dennoch nicht besonders. Ich bin unheimlich neugierig, kann aber kaum klare Gedanken fassen. Dafür ist das nächste halbe Jahr zu unbestimmt. So wollte ich es. Trotzdem muss ich wohl keinem erzählen, wie gut es Eltern schaffen einem in dem, was man macht und geplant hat, zu verunsichern durch ihre Bedenken und genauen Nachfragen. Da hilft auch ein beruhigendes „Du wirst schon immer deinen Weg machen!“ – sei es von mir selbst oder von anderen – nicht viel. Ich kann immer zurück und den einst vorgezeichneten Weg weitergehen. Aber Wollen?

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