Ostermontag, den 25. April 2011 – Jan-Hinnerk

Nach dreiwöchiger Urlaubsreise durch Thailand steht heute der erste Arbeitstag der neuen Zeitrechnung an. Ich bin zurück im Büroturm. An Ostermontag. Beim Aufstehen muss ich an die meisten meiner Freunde in Deutschland denken, die jetzt gerade ihren Kater vom Osterfeuer ausschlafen. Im buddhistisch dominierten Bangkok gibt es so was wie Ostern natürlich nicht. Zumindest nicht in Erscheinung eines Feiertags. Aber in Anbetracht der ganzen buddhistischen Feiertage ist der vorübergehende Tausch mehr als fair.

Als ich im Büro ankomme, fahre ich den alten Computer an meinem Arbeitsplatz hoch und frage mich wie viele unbeantwortete Mails wohl auf mich warten. Immerhin war ich drei Wochen lang weg und die moderne Arbeitswelt fordert auch in Abwesenheit ihren Tribut. Ich bin ja wirklich ein vergleichsweise kleines Licht hier, aber selbst die bekommen zum Nachurlaubsauftakt ja meistens gleich eine saftige E-Mail-Flut in den Posteingang gespült. Überwiegend unwichtiges Zeug, aber das vermittelt zumindest den Eindruck, es habe in der Abwesenheit jemand an einen gedacht. Was wohl Leute machen, die tatsächlich wichtiger sind als ich? Wie bewältigen die ihre Mails? Eventuell fahren sie nicht drei Wochen am Stück in den Urlaub? Vielleicht. Oder sie lesen einfach kaum E-Mails. So wie mein Chef. Eigentlich ist das ja auch der richtige Ansatz, denn wenn was Wichtiges wäre, würde man ja angerufen werden. Vermutlich funktioniert das jedoch erst ab einer bestimmten Hierarchiestufe.

Ich öffne also mein E-Mail-Programm und wette mit mir selbst, dass mich mindestens 75 Nachrichten erwarten. Also so ungefähr 25 pro Woche und 5 pro Tag. Das erscheint mir realistisch. Der Posteingang bleibt bei 32 stehen. Klar verschätzt. Irgendwie bin ich jetzt doch enttäuscht und gieße erst mal meine Orchidee, die das Wasser nach dem wochenlangen Entzug knisternd aufnimmt. Ja, die Blume braucht mich! Launig klicke ich mich anschließend durch die Mails und sehe, dass drei Termineinladung schon in der Vergangenheit liegen. Zwei Mails sind von der Betriebssportgruppe Fußball aus Schwieberdingen und in sagenhaften elf Nachrichten geht es um Entschädigungszahlungen für Mitarbeiter, deren Autos auf dem Parkplatz versehentlich mit Farbe bekleckert wurden, als nebenan Bauarbeiten waren. Oh Mann. Mein Posteingang dokumentiert nüchtern, dass ich offenbar doch nicht ernsthaft vermisst wurde. Oder hat etwa jemand versucht, mich anzurufen?

Den Rest des Arbeitstages verbringe ich mit den verbliebenen 16 Nachrichten, etwas Papierkram und Smalltalk mit den Kollegen. Mein Chef führt mir sein neues Geschäftshandy vor: Natürlich ein iPhone. Wir flachsen darüber, dass so was normalerweise nicht bewilligt wird. Chef müsste man sein – nicht nur wegen der E-Mails. Mehr passiert heute nicht. Vermutlich auch, weil aus Deutschland keine Anfragen kommen, auf die man reagieren müsste. Und auf eine Weise ist das total okay so. Ein gemütlicher erster Bürotag, ganz so wie er sein sollte. Ein Tag zum Ankommen. Ich könnte mich daran gewöhnen, an Ostermontag aus dem Urlaub zurück zu sein. Man wäre nie genervt.

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