[Serienparade]: Stadt, Land, Fluss

Spontan stolpere ich über die Serienparade von Frau Margarete und fühle mich mal wieder herausgefordert. Thema ist diesmal, seine fünf liebsten Serien zu nennen – was ja einfach wäre! – ABER, die dürfen nicht amerikanisch oder britisch sein. Und dann stehste nämlich da!

serien

Insbesondere in den 80ern und 90ern gab es supertolle Serien im deutschen Fernsehen: Diese ganzen Vorabendserien wie Ich heirate eine Familie, Unser Lehrer Dr. Specht, Die Wicherts von nebenan (mit dem creepy Nachbarn!), Unsere Hagenbecks, Zwei Münchner in HamburgEin Heim für Tiere, Girlfriends, Schwarzwaldklink… wann immer das wiederholt wird (auf EinsFestival zum Beispiel), freu ich mich :) (Außer bei den Drombuschs, sowohl die doofe Spaßbremse Frau Drombusch als auch ihr langweiliger Mann, ihr dicker versoffener Vati und das stumme Yvönnsche… sie wecken Depressionen und Wut!) Manchmal kommt zwar auch die Ernüchterung, aber am Ende siegt die Nostalgie. Letztlich ist es einfach auch ganz viel mit Kindheitserinnerungen verbunden, das kann ich nicht leugnen und mag in dem ein oder anderen Fall auch mal über mittelmäßige Schauspieler oder abgehalfterte Stories und Spießigkeit hinwegtäuschen. Andere Zeiten.

Aber ohne Mist, wo ist das alles hin? Neben dem ganzen Schund und Trash auf den Privaten bietet das öffentlich-rechtliche Fernsehen nur noch Telenovelas, Soaps, Krimis und unlustige Tiere (wahlweise Affen oder Robben). Die letzte gute Serie dieser Art war wohl noch Türkisch für Anfänger (und Berlin Berlin), die ich aber auch nicht so regelmäßig verfolgte, weil ich dann meistens noch nicht Zuhause bin. Ok, und dann könnte man noch Stromberg nennen und Doctor’s Diary, die aber alle auch mehr Comedyserie sind als so eine schöne Familienstory haben.

Liegt das nun am immer älter werdenden Publikum, der wachsenden Konkurrenz der Privatsender, zu teuren Produktionen oder hat sich das Fernsehverhalten einfach so sehr verändert? Vermutlich von allem etwas. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, waren sowohl Fernsehgeräte als auch -programme noch sehr begrenzt und Fernsehgucken war eine gemeinsame Familiensache. Man hat entweder Kompromisse gefunden oder rumgenörgelt, aber am Ende hat man meistens zusammen geguckt. Heute streamt man seine Serien, wann und wo man will und schaut direkt mehrere Folgen hintereinander, weil man keine ganze Woche warten will oder kann. Ich will das aber absolut nicht verteufeln!

Um nicht nur einen alte-Leute-mäßigen „Früher war alles besser“-Meckerpost zu schreiben, hab ich auch ein paar andere (alte) Serien zu bieten:

Degrassi Junior High (1987 – 1989)
Eine Jugendserie aus Kanada, die damals bereits brisante Themen wie Teenie-Schwangerschaften, Homosexualität, Drogen, Missbrauch oder Rassismus behandelte. Als Kind war das schon aufregend genug, aber rückblickend betrachtet war es glaub ich auch generell sehr fortschrittlich. Vor allem ging es eben um pubertäre Dinge wie erste Liebe und Schule und ich war fasziniert von Lucys Frisur und dem frechen Spike und der Langweiligkeit von Caitlin.

Heartbreak High (1994 – 1999)
Nach ähnlichem Muster funktionierte Heartbreak High aus Australien. Natürlich moderner, alles war aufgeklärter und multikulti. Wir waren alle in Nick verknallt. Und auch ein bisschen in Rivers, aber leider war er ein Arschloch. Der schräge Vogel war Con und die hübsche Jodie hatte einen wahnsinnig krassen Drogi-Blick. Es gab saucoole Lehrer, die wahnsinnig engagiert waren und nachmittags ging man an Sydneys Strände chillen. Dazu passierten die üblichen Dramen und Liebesgeschichten. Ich hab mich schon so oft gefragt, wieso die Serie nirgends wiederholt wird. Dann weine ich leise.

Lindenstraße (1985 – heute)
Kein Grund zu lachen. Ich bin mit Lindenstraße aufgewachsen. Meine Mutter musste es schon jeden Sonntag gucken, von Anfang an. Ich erinnere mich an viele Diskussionen über das Programm, schließlich hatte man damals nur einen Fernseher. Als Kind fand man es erst doof, aber dann war man ganz schnell auch dabei. Und so kenne ich die Beimers seit dem Start, bin quasi mit Klausi aufgewachsen, hab um Benni getrauert, kenne das Drama um Matthias und Marion, die arme Walze, das erste Mal von Iffy in Zorros Wohnwagen, das kleine krebskranke Mädchen, der Junge Momo Manoel aus Mexiko, der ins Zimmer gekackt hat :D, „Beate, Vasily bleibt Grieche!“, die Pavarottis und so weiter und so fort. In letzter Zeit verpass ich es leider oft, aber wenn es um die deutsche Serie geht, die ich am beständigsten gucke, dann ist es die Lindenstraße!

[Einen Trailer/Theme Song kann ich mir hier aber sicher sparen :D]

Moone Boy (2012 – 2015)
Eine irische Serie und deshalb zählt es! Es geht um Seán, den imaginären Freund des 12jährigen Martin Moone, der mit seiner schrägen Familie im ländlichen Boyle in Irland lebt und eine einmalige Sicht auf das Leben hat. Die Serie spielt dazu noch in den 80er/90ern. Leider hierzulande nur auf DVD/BluRay zu bekommen und lief meines Wissens nicht im TV.

Die alten Vorabendserien (80er/90er)
Stellvertretend für einen fünften Eintrag seien die oben genannten deutschen Serien genannt, wobei ich Die glückliche Familie so richtig gut fand und auch auf eine Wiederholung warte. Ich erinnere mich an die drei Töchter und dass ich die doofe Alex nicht mochte, dafür Tami umso mehr und die blonde Dauerwellen-Mähne von Katja war vermutlich mein größtes Lebensziel. Gute Schauspieler. Im Grunde der ganz normale Familienwahnsinn, irgendwann wurde in die USA ausgewandert, Vati hat ne Affäre, Mutti bekommt Krebs, die Kinder  werden langsam älter und heiraten mehr oder weniger glücklich, life goes on.

Richtig gut war auch Nicht von schlechten Eltern. Hach, eine weitere Vorbildfamilie: In Patrick Bach waren wir natürlich auch verknallt, aber das übrigens auch schon seit Anna. Tina Ruhland fanden wir auch cool. Der Vati war ein schnieker Kapitän, die Mutti Lehrerin und ein Haufen Kinder mit alltäglichen Familien- und Schulproblemen. Das Konzept funktioniert einfach.

Und jeder wollte den coolen Dr. Specht als Lehrer!!

Ansonsten fallen mir tatsächlich keine ausländischen Serien ein, die weder us-amerikanisch oder britisch sind, da bin ich wenig exotisch und schwelge wie so oft einfach wieder nur in alten Zeiten :D

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7 Kommentare

  1. Die Beschränkung von 5 Serien stammt von mir. :D Frau Margarete hat das alles ganz offen gelassen. ^^ Hätte auch ein Essey oder sowas sein können:

  2. @chaosmacherin: Huii, stimmt! Na egal, so konzentriert man sich wenigstens auf das Wichtigste. Und ich hab ja so eh schon mehr als 5 :D

  3. Coolio! Dr. Specht und Girlfriends. Ich habe da auch noch so ein paar Granaten, jetzt fühle ich mich erst richtig angefixt. Man, da gab’s so viel schlechtes, was aber auch irgendwie cool war … und wo ich mir teils auch noch die Wiederholungen anschaue.

  4. Korrektur: Der Junge in der Lindenstraße aus Mexiko hieß nicht Momo, denn Momo ist immer noch dabei und der Ex von Iffi, der seinen Vater umgebracht hat… Weiß aber leider auch nicht mehr, wie er heißt… Leider komme ich auch kaum noch dazu, es zu sehen. „Ein Colt für alle Fälle“ haben wir doch auch immer geguckt, oder war das auch eine amerikanische Serie???`Mein Favorit sind ja die „Wicherts“ und „Nicht von schlechten Eltern“ Wo ich selbst das Buch von gelesen habe.

  5. @Julian: :D Ja, manchmal sind die Handlungen doch ziemlich stumpf, aber eine schöne Unterhaltung war das. Allein die Mode ist schon toll zu sehen, die Autos oder so Details wie riesige Handys mit Antenne (oder Autotelefone!), die aber meistens nur irgendwelche aalglatten Business-Macho-Typen hatten (die meistens nichts Gutes im Schilde führten!).

    @Lieblingsschwester. Riiiichtig! Habe ich korrigiert; er hieß Manoel (http://www.lindenstrasse.de/Leute/Rollen/_G/Manoel_Griese/index.jsp) oder auch „Chico“. Wichtig ist aber, dass er ins Zimmer gekackt hat :D Ein Colt für alle Fälle war natürlich amerikanisch!

  6. So, jetzt komme ich auch endlich mal dazu, deinen tollen Beitrag zu kommentieren. Zwar kenne ich keine einzige der von dir genannten Serien, aber ich wollte den Post natürlich trotzdem nicht unkommentiert lassen, weil ich ihn auch sehr toll geschrieben finde :)

    Und, es ist ein wenig beschämend, aber an Australien als englischsprachiges Serienproduktionsland hab ich gar nicht gedacht. Da muss ich mal recherchieren, ob die heutzutage auch noch coole Sachen machen.

  7. Pingback: Verenas Woche: 04/2017 - ° Verenas Welt °° Verenas Welt °

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