Sonntag, den 1. Mai 2011 – Julia

Ein roter Tag. Im Kalender und auf der Straße. Geweckt wurde ich von Paraden der kommunistischen Vereinigungen aus verschiedenen Regionen. Die Straßen waren voll mit roten Fahnen und die Polizei war überrepräsentiert. Sie zeigte ihre Stärke und leitete die Züge ganz eng. Der Ton von Sprechchören und gerufenen Parolen gefällt mir nicht. Ich war verabredet später zu gucken, was auf dem Roten Platz vor sich geht. Gestern wurde bereits einiges aufgefahren.

Es stellte sich aber heraus, dass das schon die Vorbereitungen für den 9. Mai, den „Tag des Sieges“ waren. Heute eierten lediglich wieder die Damen auf ihren High Heels und mit den obligatorischen Blumen, die sie von ihrem Aktuellen bekommen, über das Kopfsteinpflaster und wollten in vermeintlich schönen/erotischen (hier ist die Grenze dazwischen praktisch aufgehoben) fotografiert werden. Die Fotografierwut ist hier zu beobachten wie nirgends sonst. Ganz Kurse laufen durch die Stadt und fotografieren tausendmal immer wieder die gleichen Orte. Was man mit solchen Bildern macht, weiß ich nicht. Ins russische Facebook-Pendant stellen.
Wenn am 9. schon wieder Feiertag ist, dann wird ja die kommende Woche ganz entspannt ablaufen. Die Russen gehen großzügig mit freien Tagen um die Feiertage um. Wenn ein Feiertag auf einen Samstag oder Sonntag fällt wird ein freier Tag ans Wochenende angehängt. Da der Tag des Sieges so riesig wird, ist wohl wieder eine Woche nur halber Betrieb hier. Anfang März ist hier ein Feiertag, wegen dem zwei Wochen gefeiert/getrunken wird. Asiaten wird an bestimmten Feiertagen explizit empfohlen nicht rauszugehen. Generell feiern sie hier abends eher in ihren Zimmern und gehen nach 22 Uhr nur noch in größeren Gruppen raus.
Als ich nachts aus dem Fenster sah, wunderte ich mich, dass kein einziges Auto zu sehen war. Kurz darauf fuhr ein langer Zug Panzer mit Begleitfahrzeugen vorbei. Ich bin gespannt auf den 9. Mai.

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