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Verenas Woche: 41/2017

Die letzten Vorbereitungen für das große Asien-Abenteuer stehen an, ich hab auf Facebook noch einen Köln-Stadtführer gewonnen und der Freund kocht Labskaus während ich versuche für 5 Wochen zu packen und dabei nicht über 23 kg zu kommen. Die besondere Schwierigkeit liegt ja auch darin, dass ich sowohl für Job als auch Freizeit planen muss. Und wie warm wird es wirklich? Und wie formal sind die Hongkonger gekleidet? Und überhaupt? Naja, ich bekomm es tatsächlich irgendwie hin.

Mittwoch geht es dann wiedermal mit dem ICE von Siegburg nach Frankfurt, dann mit KLM nach Amsterdam. Da ich wieder sehr kluk war und mir ein cooles Upgrade zur Business Class angeboten wurde (Schnapper!), reiste ich sehr luxuriös. Dummerweise hatte ich bei dem Upgrade aber gedacht, es betrifft den langen Flug nach Hongkong und nicht nur die Stunde nach Holland in der kleinen Focker-Maschine. ANYWAY. Ich möchte nicht mehr darüber reden. Die Stunde war jedenfalls sehr bequem und ich wurde sehr nett bedient und trank Wein aus einem richtigen Glas. Neben mir in der Reihe saß anscheinend ein (holländischer?) Promi, dem alle Stewardessen sehr freundlich die Hand schüttelten und Sekt anboten. Keine Ahnung, wer das war. Von Amsterdam ging es dann weiter nach Hongkong. Diesmal dann leider nicht mehr so bequem, aber immerhin Gangplatz.

Ich schaute Snatched („Mädelstrip“) mit der guten Goldie Hawn und Amy Schumer, aber der Film war leider gar nicht so gut. Danach gab es noch Gifted („Begabt – Die Gleichung eines Lebens“), der wiederum besser war. An dieser Stelle ein großer Dank an den Hersteller eines sehr teuren guten noise-cancelling Kopfhörers und an den Freund, der mir diesen selbstloserweise auslieh. Ich würde mir so Kopfhörer vermutlich niemals kaufen, weil sie (mir) zu teuer sind und weil ich gar nicht wüsste, wo ich die tragen sollte. Ich finde ja, dass so On-ear-Kopfhörer leider meistens ziemlich doof aussehen und das noise-cancelling ist ziemlich krass, sodass ich vermutlich recht schnell in der Stadt überfahren würde. Für Sport sind die ebenfalls indiskutabel. Und Zuhause gibt es eine ganz gute Wanddämmung, sodass die Nachbarn so schnell nichts von lauter Musik mitbekommen. Also was sind die Gründe? Einzig und allein im Flugzeug und da sind sie GOLD wert! Mit normalen Kopfhörern (ich verwende die einfachen von Apple, weil ich nichts von Klangqualität verstehe, wie man dann schnell belehrt wird) hört man nämlich nichts vom Film im Flugzeug, weil dieses Umgebungsbrummen einfach zu störend ist. Naja, jedenfalls mein Tipp der Woche für alle vielfliegenden Musik- und Filmfreunde: Sucht Euch jemanden, der Euch gute Kopfhörer für den Flug ausleiht.

In Hongkong angekommen, ging es dann mit dem Airport-Express in die Stadt, wo ich mich mit meiner neuen Kollegin C getroffen habe. Mit dem Taxi fuhren wir zusammen in mein Apartment, welches sie mir dankerweise besorgt hatte. Einchecken und Apartment auschecken. Alles super. Auch hat sie mir schon eine Karte für den öffentlichen Nahverkehr besorgt: die berühmte Octopus-Card. Die kann man immer wieder aufladen und damit alle Verkehrsmittel benutzen und auch in den meisten Supermärkten damit bargeldlos und kontaktlos bezahlen. Plus: Aufladen geht nur mit Bargeld, so hat niemand jemals irgendwelche Daten. Die Kollegin zeigte mir noch den Weg zur MTR-Station (U-Bahn) und half mir eine SIM Card zu besorgen.

Abends haben wir uns noch zum Dinner verabredet und es ging in ein richtig tolles Restaurant, wo es meine ersten Dim Sum gab, inklusive praktischer Essenstipps. Das Restaurant heißt Din Tai Fung (taiwanesisch) ist ziemlich berühmt für seine XiaoLongBaos. Es wurde mal von der New York Times zu den Top 10 Restaurants gewählt und hat sogar einen Michelin-Stern. Man sieht es dem Laden nicht an, es befindet sich in einem Einkaufszentrum (was hier ziemlich üblich ist) und sieht nicht übertrieben edel aus (nett ausgedrückt). Außerdem sind die Preise echt günstig. Also falls mal jemand nach Hongkong kommt, der sollte dort unbedingt mal essen gehen! (Es gibt mehrere Filialen)

Nach dem Essen führt mich C noch ein bisschen durch die Gegend, zeigt mir ein paar Sachen und natürlich den Hafen. OMG! Ich hatte ja keine Vorstellung! Der Blick am Victoria Harbour auf die Skyline ist gigantisch. Und dabei übertreibe ich nicht. Die Skyline ist fast unendlich lang, riesige Hochhäuser, hell und bunt beleuchtet und davor das Wasser und klischeehaft einige dieser alten traditionellen Dschunken mit ihren roten Segeln. Hach! (Anmerkung der Redaktion: Das auf dem – leider nur Handy-Foto – ist natürlich keine Dschunke, sondern nur irgendein Boot. Der Fachmann erkennt es am fehlenden Segel, #lol). Mit der Star Ferry ging es über das Wasser zurück nach Hongkong Island und dann auch bald zurück ins Apartment. Das war ein erster krasser Einblick in die Stadt, mit der ich mich vorher ehrlich gesagt noch gar nicht so viel beschäftigt habe.

Freitag war dann mein erster Büro-Tag. Unser kleines Büro ist hier in einem Co-Working-Space untergebracht und die Atmosphäre ist wahnsinnig cool und kreativ und ich glaube, das wird hier echt Spaß machen.

In der Mittagspause gingen wir zusammen zu einem traditionellen kantonesischen Restaurant (Asiana in Wan Chai) und es gab weitere Dim Sum – alles so lecker! Meine erste Challenge hab ich auch bestanden: Hühnerfüße essen. Jawohl. Das war tatsächlich besser als gedacht (und es sah auch nicht so schlimm aus wie man sich das vielleicht vorstellt). Aber vermutlich würde ich mir die alleine auch nicht nochmal bestellen ;) Was ich nicht wusste: Dim Sum sind quasi ein Oberbegriff für eine Vielzahl an kleinen Häppchen und Gerichten, die man sich dann zusammen alle am Tisch teilt. Ähnlich wie Tapas zum Beispiel. Ich dachte immer, Dim Sum wären halt Teigtaschen, basta. Aber nein.  Wieder was gelernt! Und eigentlich isst man die zum Frühstück oder mittags, aber ich hab die inzwischen auch schon abends gegessen, because why not.

Geschmacklich ist das alles eigentlich nicht so fremd: Die Suppe mit Hühnchen und Reis (Congee) schmeckt wie Hühnerfrikassee, die Taschen mit Schweinefleisch ein bisschen wie unsere Weißwurst und bis auf Frühlingsrollen hab ich hier noch nicht viel gesehen von dem, was wir so aus den deutschen China-Restaurants kennen. Außer Peking-Ente, aber die gibt es hier am Stück und hängt auch in Schaufenstern rum. Vielleicht ist die kantonesische Küche auch einfach anders, wir sind hier schließlich nicht in China ;)

Über China und Hongkong erfahre ich von C ganz nebenbei noch richtig viel und nebenher  lese ich noch ganz viel nach. Keine Ahnung, wie viel jeder so über die politische Situation Bescheid weiß, was das mit dem Umbrella Movement auf sich hatte und warum man sich niemals WeChat installieren sollte – ich bin jetzt schon sehr viel schlauer und es ist wahnsinnig interessant. (Ich hab mich bisher mit China und generell Asien nie so im Detail auseinandergesetzt… umso spannender ist es jetzt.) Und umso wichtiger ist hier übrigens auch eine Sensibilisierung für Datenschutz (siehe auch Octopus Card)…

Mein Apartment befindet sich übrigens über einem großen mehrstöckigen japanischen Kaufhaus. Das ist in etwa so, wie über Karstadt zu wohnen, nur eben alles japanische Produkte, inklusive Supermarkt. Mit der Rolltreppe geht es runter zum Shoppen, sehr bequem. Auch wenn nicht immer alles auf Englisch beschriftet ist und ich zwischendurch vergesse, ob ich nun einfach in Hongkong oder irgendwo in Japan bin. Und die ganzen bunten und übertrieben-niedlichen Verpackungen sind natürlich nichts für jemanden, der Dinge auch nur wegen der hübschen Verpackung kauft…

Samstag ging es dann zum ersten Sightseeing: zum Man Mo Tempel, danach ein bisschen durch die Straßen, mit der längsten Außen-Rolltreppe (Central Mid-Levels Escalator) die ganze Stadt hoch gefahren, wieder runter gelaufen und zu guter letzt auf der Queens Road einfach in Geschäften rumgestreunert und aus Spaß Dinge anprobiert. Zum Abendessen bin ich dann ins Yum Cha, einem sehr schicken hippen Dim Sum Restaurant, weil es hier Piggy Buns gibt :D Und es war wieder unglaublich lecker alles. Später Zuhause schüttete ich aus Versehen ein kleines bisschen Bier auf mein MacBook… Katastrophe, Katastrophe! Erstmal trocknen lassen, vielleicht hab ich ja Glück…

Sonntag gab es eine Taifun-Warnung der Stufe 8. Zum Glück hatte mir C das vorher erklärt: Ab Stufe 8 soll man drinnen bleiben, kaum einer arbeitet, die MTR fährt nicht, alles ist zu. Bei mir im Haus das Management war aber besetzt, also versuchte ich mein Glück im hauseigenen Gym, aber das war leider auch zu. Also wurde es ein sehr langweiliger Sonntag, an dem ich nichts machen konnte außer Instagram-Stories gucken und Instant-Nudeln essen. Eingekauft hatte ich zum Glück. Da der Laptop außer Gefecht war, ging ja auch Netflix nicht. Leider habe ich nur wenige Englisch-sprachige Fernsehsender, wovon die meisten auch nur News sind. Boring.

Es stellte sich übrigens heraus, dass wir sehr casual zur Arbeit gehen, mit Sneakern und T-Shirt (yeah!) und ich jetzt vielleicht umsonst Klamotten gepackt habe, die ich hier nie anziehen werde (meh!). Außerdem ist es zwar warm, so 28 Grad, aber ohne große Luftfeuchtigkeit und immer mit ein bisschen Wind – also sehr angenehm. Und drinnen gibt es sowieso immer Air Condition, sodass man im Zweifel eher friert als schwitzt. Ich brauche jedenfalls noch mehr Sneaker. Aber erstmal warten, was das mit dem Macbook noch gibt… (heul!).


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