Touch the screen for complete healing

Donnerstag, den 28. April 2011 – Thomas

Arbeiten. Um 11 Uhr 37 bekomme ich eine SMS von Julia. Es ging alles gut. Die Notlösung hat sich bewährt. Wie viele Erkenntnisse aus den letzten Tagen plötzlich aufeinanderprallen!

Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird
Der moderne Mensch hat mehr Uhrvertrauen als Urvertrauen
Provisorien halten ein Leben lang
Verlass dich auf andere und du bist verlassen
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Vertraue Niemandem über dreißig
Suche dir Freunde bevor du sie brauchst
Gelesen, gelacht, gelocht
Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten in der Ebene ist die gerade Linie
Das ganze Leben durch die Vernunft dividiert, geht nie auf ohne Rest
Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist, dann ist es auch noch nicht das Ende

Zumindest diese Geschichte hat ein Ende. Erleichterung macht sich breit. Viele Punkte kann ich mir mit der Aktion nicht auf mein Karma-Konto gutschreiben lassen. Irgendwann revanchiert sich alles im Leben. So ein blöder Satz. Stimmt natürlich nicht.

Nach der Maloche gehe ich ins Fitnessstudio, die Strandfigur für meinen Barcelona Aufenthalt nächste Woche muss her. Während des Ausdauertrainings auf dem Kardio-Rad lese ich eine klasse Anekdote und kriege mein albernes Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Manfred aus Berlin soll ´93 beim Glücksrad gesagt haben: Ick löse uff: Der Zwerg reinigt die Kittel.
Das steht so ungefähr in Sven Regener´s neuem Buch: Logbücher „Meine Jahre mit Hamburg Heiner“. Das zweite Mal Schleichwerbung in meinem Tagebuch.

Im Hausflur treffe ich D. Morgen Modernes, steht. Ein Mann ein Wort. Dabei ist mir nicht nach ausgehen oder trinken zumute. Leider funktioniert für mich viel zu selten das eine ohne das andere. Allerdings gibt es einen dritten Faktor auf den man setzen kann: Gesellschaft.

Zurück in der Festung der Einsamkeit haue ich die seit gestern abgelaufenen (30% günstiger) Hühnchenbrustfilets in die Pfanne und mache mir dazu Reis und eine selbstgebaute Soße. Ich lüge mir vor, ich würde für morgen gleich mitkochen. In der Regel bleibt es bei der guten Absicht, denn oft esse ich gleich beide Portionen.

Es bleibt tatsächlich was für morgen übrig, zwar eher vierzig statt fünfzig Prozent, aber der Wille zur Strandfigur ist da. Der Kampf ist endlich angenommen. Bedauerlicherweise liege ich bereits zehn Runden zurück. Wenn es zu keinem späten K.O. durch einen Lucky Punch kommt, verliere ich den Kampf gegen die Waage nach Weight Watchers Punkten. Zurzeit würde ein Kiesstrand besser zu mir passen.

Die Luft hat es angekündigt: Gewitter über Bremen. Ich habe mir noch soviel vorgenommen, schaffe es nach dem Essen aber lediglich den Klamottenberg von meinem Bett zu räumen. Auf den Fußboden. Dreifelderwirtschaft. Meine Wohnung sieht aus, jeder Raum bedarf mindestens einen halben Tag Aufmerksamkeit. Wo soll ich die Zeit dafür hernehmen? Den Schlachtruf der Faulenzer: Das erledige ich später, werdet ihr hier nicht lesen. Ich erledige es nämlich nie. Das ist mal eine anarchistische Herangehensweise, dessen hintergründige Idee eines besseren, erträglicheren, alternativen Lebensmodells mir hoffentlich im Schlaf kommt. Harald Schmidt schaffe ich, wie so oft, nur bis zum Gast.

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