VerenasWoche: 26/2017

Montag

Nachdem ich noch hektisch bienengleich bis 2 Uhr nachts geräumt und gepackt habe, klingelt um 5 schon wieder der Wecker, um pünktlich nach Siegburg gebracht zu werden. Der ICE fährt mich nach Frankfurt. Nach der letzten Bahnfahrt habe ich diesmal keine Sitzplatzreservierung und stehe diesmal genauso fehl am Platz mit Riesen-Koffer im Gang, aber immerhin ohne mich über rausgeworfenes Reservierungsgeld zu ärgern.

Diesmal fliege ich mit Delta. Im Gegensatz zu Lufthansa ist der Service schon anders: weniger Platz, weniger Entertainment-Programm (hätte man aber natürlich alles gegen Aufpreis upgraden können), ein bisschen „schlechteres“ Essen, ein bisschen weniger mit der Weinflasche-Vorbeigekomme und weniger Toiletten auf dem Gang, sodass man jedes Mal anstehe musste. Dafür war das Ticket eben billiger, also heule ich nur sehr leise in meinen engen Economy-Sitz und schaue zwei Filme: Before I Fall und The Last Word. Von denen hatte ich noch nie was zuvor gehört, aber sie sind beide sehr gut (und hier im Flieger nur im englischen Originalton zu sehen). Ich komme trotz allem wohlbehalten in New York-JFK an, der Koffer auch und ich werde netterweise abgeholt und es geht ins bereits bekannte Apartment, wo ich anfangen kann, meine Klamotten überall wild zu verteilen und für Chaos zu sorgen. Ansonsten sitzen wir nur noch auf der Dachterrasse im 22. Stock und ich lehne mich nicht zu sehr aus dem Fenster über die Brüstung, weil ich Höhenangst habe. Und 22 Etagen sind verdammt hoch!

 

Dienstag

Frühstück! Schweren Herzens hatte ich entschieden, weniger Bagel zu essen und habe mir stattdessen gesundes Körnerbrot aus Deutschland mitgebracht. Trotzdem war das Frühstück lecker. Das Wetter ist toll und wir laufen sehr sehr lange den East River runter bis zur Manhattan Bridge und dann Richtung China Town, wo der japanische Eisladen Taiyaki ist, wo sie fancy Einhorn-Eis in fischförmigen Waffeln verkaufen. ICH MUSS DAS HABEN. (Ich bin übrigens die Person, der dieser unsägliche Einhorn-Hype schon seit Monaten wahnsinnig auf den Keks geht, aber das musste ausnahmsweise noch sein.) Wir laufen wieder die Lafayette und 5th Avenue hoch, kommen noch durch ein paar Shops, gucken hier und da. Am Wochenende war New York Pride und es ist noch alles auf Rainbow eingestellt, jeder Laden promoted much love und es gibt alles in Sonder-Special-Rainbow-Editions. Find ich gut. Sogar Banken machen mit; das wäre bei uns wohl leider immer noch undenkbar. Abends hab ich Sonnenbrand auf Gesicht und Armen.

 

Mittwoch

Wir laufen durch den Central Park, gucken dort Baseball (ich verstehe die Regeln nicht), ich esse einen Snow Cone und wir gehen zum Dakota Building. Abends ist das U2-Konzert in East Rutherford, das ist einmal über (bzw. unter) den Hudson River in New Jersey und da fährt ein Bus von Port Authority hin. Also eigentlich. Wegen eines Unfalls im Lincoln Tunnel kommt es zu Verspätungen und wir warten gefühlt EWIG in der Schlange. Während meine Geduld also minütlich sinkt, steigt meine Skepsis über die anwesenden Fans proportional an, die mit ihren Freizeithemden in Anzughosen und Slippern und ihren Frisuren und Brillen UNGELOGEN aussehen wie der Vater von Dennis the Menace. Ich hab also noch richtig gut Zeit, mich ausgiebig in eine schlechte Stimmung zu steigern und seh mich wieder als Einzige stehend mitgröhlen, während alle sitzen bleiben und sich beschweren, weil sie hinter mir nichts sehen usw. usf.. In der ganzen langweiligen Schlange geben mir einzig und allein drei junge – vermutlich europäische – Männer Hoffnung mit ihren 360°-Tour-Shirts, Schottenrock, geschmuggeltem Bier und sogar U2-Chucks. Das mit dem Bier ist ja noch ein ganz anderes Problem: Öffentlich Alkohol trinken ist hier ja verboten – also kein Weg-Bier, keine Bierrucksack-Männer vor dem Stadion und überhaupt also gar kein Bier irgendwo bis zum Stadion. Sie könnten ein Millionen-Geschäft mit dem Verkauf von Bier machen. Fahren ja eh alle mit dem Bus zum Stadion und es ist zu teuer, um ordentlich abzustürzen. Die Fans, die (vermutlich aus Jersey) zum Stadion mit dem Auto fahren, haben Grill, Campingmöbel und Bier dabei, kommen schon nachmittags auf den riesigen Parkplatz und feiern ihre BBQ-Partys bis das Konzert anfängt. Aber wir warten ja bekanntlich in der Schlange… Irgendwann sollte es dann doch weitergehen und wir kommen gerade rechtzeitig im MetLife-Stadion an. Wie zu erwarten war es riesig. Mit der Kreditkarte bekomme ich einen Eintritts-Schnipsel, wir holen uns Bier für 11 Dollar den Becher. 11 DOLLAR. Vermutlich will man den wilden Fan-Pulk in ihren Anzughosen vor dem Randalieren bewahren, aber wir lassen uns nicht aufhalten und trinken sogar jeder 2 ganze Bier!!1 Ich hole mir beim Merch noch ein Shirt, ein Armband und einen Schlüsselanhänger, wir sehen noch das letzte Lied der Vorband The Lumineers (hatte mich auch nicht so interessiert) und dann geht es auch bald los mit einer großartigen Show! An dieser Stelle muss ich zugeben, dass meine Skepsis über die anderen Fans wohl recht unbegründet war. Neben uns saßen zwar Mommy, Daddy und zwei kleine Kinder, aber die Stimmung war echt richtig gut und, zumindest in unserem Block, waren nicht nur keine Langweiler. Sehr cool! Für mich war es ehrlich gesagt etwas ungewohnt, so weit von der Bühne weg zu sitzen, das war der einzige Wehrmutstropfen – zumal das MetLife Stadion wie gesagt echt riesig ist und man echt weit weg sitzt. Ansonsten hab ich nichts zu meckern (ok, und das mit dem Bier) – tolle Show: angefangen mit einigen alten Klassikern (Sunday Bloody Sunday…), dann alle Songs vom The Joshua Tree Album und dann noch ein paar neuere Hits (Vertigo, Beautiful Day, One, Elevation, Ultra Violet, …) – also quasi eine Best-of-Show mit Fokus auf Joshua Tree.

Danach ging es wieder mit dem Bus zurück nach Manhattan und dann mit dem Taxi zum Apartment, weil irgend eine U-Bahn ausgefallen ist. Taxis sind aber im Gegensatz zu Deutschland auch recht günstig und es gibt kleine Monitore hinten drin, wo best of-Schnipsel der letzten Late Night Shows gezeigt werden.

 

Donnerstag

Wir laufen ein bisschen durch die Straßen der Neighborhood. Es ist schwül und drückend. Aber es gibt einen Candy Shop mit drei Etagen voll verrücktem Süßkram!! Und wir laufen nochmal zum Cupcake ATM, aber ich hole mir keinen, sondern dafür woanders einen healthy Gurken-Ingwer-Zitronen-Drink. Zum Ausgleich esse ich später fast die ganze Tüte bunten Zuckerkram aus dem Candy Shop. Abends sitzen wir nur noch auf der Dachterrasse und trinken Wein.

 

Freitag

Wir fahren runter zur Spring Street, wir kaufen sehr coolen Kuchen-im-Glas bei Jars by Dani, den wir später aber erst essen werden. Ich trinke fancy Iced Coconutmilk Matcha Latte von Cha Cha Matcha, wir gehen zum kölschen Biergarten Loreley und trinken Bier und essen Bretzeln wie so furchtbare Deutsche, die im Ausland immer ihr Schnitzel essen müssen. Danach stehen wir noch für das nächste fancy Eis bei Morgenstern’s an und ich wähle ganz gewöhnliches Banana-Curry und schwarzes Coconut Ash-Eis und Salzkaramell-Topping. Mit dem Bus geht es zurück zum Apartment. Es ist unglaublich heiß die ganzen Tage. Also so 30 Grad. Unglaublich heiß!

 

Samstag

Der Wocheneinkauf steht an und wir fahren mit dem Bus hoch nach Harlem zum Einkaufszentrum, wo es einen Aldi gibt. Das lohnt sich preislich sehr; die Supermärkte in Manhattan sind echt arschteuer, da kauft man die Basics besser bei Aldi. Vorher streifen wir noch durch den Target. Target hat alles von Klamotten über Deko und Lebensmittel, quasi wie ein Real oder Globus. Aber vor allem haben sie kleine elektrische Sitze mit Einkaufswagen dran zum Rumfahren, wenn man nicht mehr so gut laufen kann. Oder faul ist. SHOPPING GOALS. Bei Aldi hätte ich fast eine USA-Flagge gekauft, schließlich ist nächste Woche der 4. Juli, da will man sich gut integriert zeigen. Ich fand sie aber dann doch zu groß. Aldi hat jedenfalls ein sehr gutes Angebot und – für die Kenner – die Schokoladen-Marke Choceur gibt es da übrigens auch – allerdings mit ganz anderen Produkten. Nachdem wir wieder zurück sind, machen wir auch nichts besonderes mehr, weil es immer wieder regnet und wir faul sind.

 

Sonntag

Es ist über 30 Grad und sonnig und wir fahren runter durch Brooklyn nach Coney Island! Das Aquarium sparen wir uns, weil sich das wohl nicht so lohnt. Stattdessen laufen wir den ganzen Tag an der Strandpromenade entlang, gucken Leute, staunen über Achterbahnen und andere Fahrgeschäfte, essen frittierte Muschelstreifen und Pommes, trinken Bier, essen wieder Softeis, kaufen Shirts, laufen glücklich lachend mit hochgekrempelten Hosen durch das Wasser, fluchen anschließend über den ganzen Sand in den Schuhen. Ein perfekter Strand-Tag also. Es sind unglaublich viele Leute am Strand, es gibt kubanische Musiker, tanzende Menschen, Angler, Krebse und rennende Polizisten im Einsatz. Also blieb kein Wunsch offen. Zu guter letzt fuhren wir noch mit der Achterbahn The Cyclone, die kürzlich ihren 90. Geburtstag feiern durfte, was mir genug Sicherheit gab, für einen wilden Ritt hier leichtsinnig 10 Dollar zu bezahlen. Sehr bald musste ich einsehen, dass ich mir zu wenige Gedanken darüber machte, wie so eine Achterbahn eigentlich nochmal abläuft und ich mehrmals fast gestorben bin, als die Bahn viel zu schnell viel zu steil irgendwelche Abgründe hinunterstürzte. Der armen Asiatin vor mir im Wagen ging es noch schlimmer. Wir lächelten uns später nochmal beherzt an, während wir bleich über die Straße taumelten. Tolle Idee diese Fahrt. Danach ging es wieder mit der U-Bahn zurück. Dabei fährt man quer durch Brooklyn, das dauert knapp ne Stunde. Ich hatte wieder Sonnenbrand auf den Schultern, weil ich unbedacht meine Tshirt-Ärmel modisch hochgekrempelt hatte und anscheinend hier nicht ordentlich eingecremt war. Jedenfalls, ein toller Tag in Coney Island!

Einziger Minus-Punkt: Zoltar war nicht zu finden :(

 

Auf Instagram kann man übrigens zeitnah verfolgen, was ich so mache; die Stories kann man aber glaub ich nur über die App sehen (?). Feel free to follow.


Info: Ich hab mich dazu entschieden, diesmal die interessantesten Läden meiner Reise zu verlinken (no-follow); vielleicht hat da jemand einen Mehrwert von, wenn er in der Gegend ist und ein paar Empfehlungen nutzen mag oder einfach interessiert ist. Es sollte jedem klar sein, dass ich dafür kein Geld oder sonstwas bekomme und ich alle meine Sachen wie ein waschechter Instagram-influencter Internetsuchti selbst bezahlt habe. Und bei Fragen einfach fragen, wie immer.

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3 Kommentare

  1. Klasse Bericht!

    Und das man in der Öffentlichkeit eher mit einer Waffe als mit einem Bier rumlaufen darf, ist halt äußerst seltsam. Schön, dass sich die gemütliche Biergartenkultur bis nach New York rumgesprochen hat :)

    Und jetzt? Magst nochn Eis? ;)

Und? Sag was!

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